„ Nein!"
,, Du hast nur von allem gewußt?"
,, Ja!"
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Und wolltest den Lenzer nicht verraten?"
,, Nein!"
Dusenschöns Stimme bekommt einen anderen Klang. Er wendet sich an Harms und Riedel: ,, Nun sieht die Sache aber schon ganz anders aus!"
Riedel sieht den Sturmführer erstaunt an, dann richtet er den Blick auf den an der Tür stehenden Meisel. Für Sekunden begegnen sich ihre Augen. In denen Meisels liegt ein ängstlich flehender Zug, aber Riedel bleibt ungerührt. Er muß an den Kriegsinvaliden, an Koltwitz denken, an die vielen wehrlosen Gefangenen, die dieser jetzt zerknirscht vor ihm stehende Vorgesetzte mißhandelte. Riedel empfindet kein Mitleid mit Meisel, er denkt nicht daran, ihn zu schonen.
,, Meisel hat nicht nur von den Schiebungen Lenzers gewußt", erklärt er fest und bestimmt ,,, er hat auch immer die Hälfte des Erlöses abbekommen!"
Dusenschön knickt zusammen; er blickt Meisel an. ,, Stimmt das?"
,, Jawohl!" antwortet der leise mit bebenden Lippen.
,, Du Lump!" zischt Dusenschön in ohnmächtiger Wut. ,, Mir das anzutun." Er tritt ans Fenster und lehnt den Kopf gegen die Hand, die das Fensterkreuz umkrallt.
Riedel und Harms blicken unverwandt auf Meisel, der den Kopf auf die Brust sinken läßt und die Augen schließt.
Plötzlich schreit Dusenschön, ohne seinen Platz am Fenster zu verändern:
,, Abführen lassen!"
Riedel erhebt sich, geht an Meisel vorbei aus dem Zimmer.
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