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Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
Entstehung
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,, Rauf mit dir!" schreit Dusenschön, und der Gefangene stolpert hastig die Treppe hinauf.

,, Mal herhören!" wendet sich der Sturmführer dann an die SS - Leute. ,, Ich will euch gleich etwas bekanntgeben. Der Reichs­statthalter hat die gesamte Wachtmannschaft des Lagers zu einem Neujahrsempfang eingeladen. Es soll dies eine Anerkennung für unsere Leistungen sein!"

In der Schreibstube der Kommandantur herrscht Ratlosigkeit. Harms steht mit verschränkten Armen an dem aus rohem Holz zurechtgezimmerten Regal, in dem die Akten und Kartothek­karten liegen. Riedel sitzt an seinem Schreibtisch und grübelt schweigend vor sich hin. Dusenschön läuft mit schnellen, ner­vösen Schritten im Zimmer auf und ab.

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Wie ist das bloß möglich?" seufzt der Sturmführer ein um das andere Mal. ,, Wie ist das bloß möglich?"

Harms und Riedel sehen sich an. Jedem ist, als husche über das Gesicht des andern ein flüchtiges, schadenfrohes Lächeln.

"

Und wenn wir es doch unterdrücken? Das gibt ja einen Skandal ohnegleichen!"

Unmöglich!" antwortet Riedel kalt. ,, Fast alle haben es gehört. Auch ohne uns erführe es der Alte!"

,, Menschenskind, Harms, du ahnst nicht, was du angerichtet hast. Es ist sowieso ununterbrochen dicke Luft im Bau. Und nun auch noch das."

,, Ich war besoffen!"

,, Immerhin! Immerhin!" Dusenschön bleibt plötzlich vor ihm stehen. ,, Und du weißt alles von Lenzer, direkt von Lenzer?" ,, Ja, ich traf ihn am Kellinghusen- Bahnhof. Wir kamen ins Ge­spräch. Ich machte ihm Vorwürfe in dieser Angelegenheit, und er erzählte mir dann das von Meisel. Er war wütend, weil man

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