,, Dann lauft euch mal ein büschen warm... Laufschritt!... Die Arme hoch in Brusthöhe... Marsch- marsch!"
Die Gefangenen traben durch den Schnee...
Nach wenigen Schritten schon hämmern ihre Herzen, verkrampfen sich ihre Lungen; nach monatelanger Einzelhaft ist die Anstrengung für sie zu groß.
Meisel jedoch läßt sie laufen, bis sie wie Trunkene an der Gefängnismauer entlang taumeln.
,, Schlappe Bagage!" schreit er und kommandiert Halt. Wir wollen Freiübungen machen, damit die Glieder gelenkiger werden!"
Meisel läßt die geschwächten und erschöpften Einzelhäftlinge auf den Fingerspitzen Liegestützen machen... Der Posten. schreitet bei den Übungen die eine, Meisel die andere Seite entlang. Wer die Übung nicht richtig ausführt, bekommt einen Tritt oder einen Schlag mit dem Gewehrkolben.
Den Gefangenen frieren die blutleeren Finger im Schnee steif. Der Wind fegt ihnen feinen Schneestaub unter die dünnen Kleider. Die Ohren brennen, und die Lippen laufen blau an. Nach dieser Übung läßt Meisel wieder Laufschritt machen. Während des Laufens kommt Kreibel, der die ganze Zeit im Mittelgang des Hofes ging, für einige Sekunden in die Nähe
Torstens.
Der lächelt angestrengt und flüstert ihm im Laufen keuchend zu: ,, Nie unterkriegen lassen! Wir müssen durch!"
Kreibel nickt und zwinkert mit den Augen.
Das ist Torsten... Immer noch der gleiche...
Beim Einschluß fragt Hansen bittend und noch nach Luft ringend:
,, Herr... Wachtmeister... Habe ich immer... noch keinen Brief... von meiner Mutter?"
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