muß ihn anbrüllen... Es kann aber auch der Posten schießen... Die Patronen sitzen denen locker im Lauf... Einerlei, er muß etwas anstellen...
Kreibel sackt in die Knie und fällt in den Schnee. Die Gefangenen marschieren an ihm vorbei.
Der Posten macht Meisel aufmerksam und dieser schreit:
,, Was ist denn mit dir los?... Hallo! Aufstehen!... Herkommen!"
Kreibel erhebt sich mühsam und wankt auf den Wachtmeister zu. Wie heißt du?"
" 1
Kreibel schreit, so laut er kann:
,, Schutzhaftgefangener Kreibel!"
,, Was hast du?"
,, Mir wurde plötzlich übel, Herr Wachtmeister!" ,, Dann geh hier im Mittelgang!"
Kreibel geht nun allein quer über den Hof. Dabei blickt er in das Gesicht eines jeden Gefangenen. Die meisten starren ihn stumpf und traurig an.
Er richtet es so ein, daß er dicht an die Kette der Gefangenen kommt, wenn der große bleiche Genosse vorbeimarschiert. Wie er näher herankommt, schlägt ihm das Herz bis zum Halse... Es ist Torsten... Er zwinkert mit den Augen und lächelt Kreibel aufgeregt zu... Wie elend sieht er aus, wie bleich... So kräftig, wie ihn Kreibel sich vorstellte, ist er gar nicht. Aber kluge, warme Augen hat er...
Das ist Torsten... sein Freund. Nun haben sie sich das erstemal in die Augen gesehen... Er hat ihm so unendlich viel zu verdanken... Wie wäre er ohne Torsten über die langen, entsetzlichen Wochen der Dunkelhaft gekommen?...
,, Euch friert wohl, was?" fragt Meisel die Gefangenen.
,, Jawohl, Herr Wachtmeister!" antworten einige.
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