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Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
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Der Lagerkommandant, ein Mann in grauem Anzug und der Sturmführer betreten die Zelle. Der Wachtmeister bleibt draußen an der Tür.

Langsam geht der Kommandant bis in die Mitte der Zelle auf Torsten zu. Seine Augen ruhen prüfend auf dem strammstehen­den Gefangenen. Einige Sekunden stehen sich die beiden Männer wortlos gegenüber. Das Gesicht des Kommandanten ist noch aufgeschwemmter, noch wulstiger geworden. Die Augen sind in Fetthügel eingebettet. Das Kinn hat durch die fleischigen Backen an Energie und Männlichkeit verloren. Der Kommandant zieht die hervortretenden Lippen herunter und lächelt ein wenig. Wie fühlen Sie sich?"

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Gut!"

,, Haben Sie Beschwerden?" ,, Nein!"

,, Sind Sie krank?"

,, Nein!"

Der Mann in Zivil tritt vor. Er ist klein und hager, hat ein zer­knautschtes, gequältes Gesicht. Torsten denkt: Kriminalbeamter ... Kann aber auch Fettwarenhändler sein. Mit müden, schleppen­den Worten sagt der Fremde zu Torsten:

,, So behandeln wir Sie. Was hätten Sie mit uns gemacht?" Torsten schweigt.

Was ist das für ein Glas?"

Er habe keinen Trinkbecher, erklärt Torsten, er benutze daher dieses Marmeladenglas.

,, Soso! Na, so arm sind wir nicht. Trinkbecher sind genügend

vorhanden!" Der kleine, hagere Mann wendet sich an den Sturmführer. Hier kommt ein Becher her!"

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Jawohl, Herr Präsident!"

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