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Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
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Torsten zuckt zusammen. Präsident? Dies unscheinbare Kerlchen ist Präsident. Erregt sieht er in das gelangweilte, lederne Gesicht, in die ausdruckslosen, toten Augen. Das ist ein Präsident? Da darf er nicht länger zögern.

Herr Präsident, gestatten Sie eine Frage?

Was haben Sie?

Der Lagerkommandant und der Sturmführer blicken unwillig auf Torsten. Der fragt mit fester Stimme:

Geschehen die Mißhandlungen im Lager mit Ihrem Einver- ständnis?

Es ist eisiges Schweigen in der Zelle. Lange blickt der Präsident dem wahnwitzigen Gefangenen in die Augen. Lange läßt er auf Antwort warten. Der Kommandant zieht die Lippen nach unten. Er grinst. Dusenschön kneift die Augen zusammen und nickt leicht mit dem Kopf. Das soll heißen: du Bursche wirst ja was erleben!

Ich weiß nichts von Mißhandlungen!

Nach dieser Antwort dreht der Präsident sich um und geht als erster aus der Zelle. Nach einem kurzen, bedeutsamen Blick folgt ihm der Kommandant. Dusenschön kann einNa warte! nicht unterdrücken, wie er die Zelle verläßt.

Auch zu Kreibel kommen die drei. Mit hohem Fieber liegt er auf der Pritsche.

Sie haben sich erkältet?"

"Jawohl!

Der Präsident schiebt sich ein wenig vor und fragt:

Gibt man Ihnen ärztliche Hilfe?

Jawohl!

So behandeln wir Sie. Was hätten Sie mit uns gemacht? Der Präsident streift, als er sich abwendet und die Zelle ver-

lassen will, das Gesicht des Sturmführers. Der verzieht den Mund

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