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Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
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schlagen haben und der, seit sechs Jahren schon, die Z- Arbeit leitet... Die Elly, dieses kecke, resolute Geschöpf... Wie sie die Burschen des Jugendverbandes zu leiten wußte! Die Partei hat prachtvolle Menschen... Sie werden nicht alle vernichten, nicht alle entmutigen können...

Dieser Reichsstatthalter Kaufmann muß ein besonderes Schwein sein. Läßt in seiner Anwesenheit mißhandeln. Und wie mißhandeln! Bürokratisch vorbereitete Bestialitäten... Der Ochsenziemer im Lederfutteral...

.. Und dieser Heildiener, dieser Brettschneider?... Man wird nicht schlau aus ihm... Was kann er wollen? Sich auf die Zu­kunft rückversichern?... Jedenfalls glaubt er nicht alles wider­spruchslos, was ihm vorgesetzt wird... Man muß mit ihm offener reden... Das nächste Mal...

Ob sie ihn dieses Jahr noch im Lager lassen, oder ob er bald ins Untersuchungsgefängnis kommt?... Im UG kann man schreiben, rauchen, Bücher lesen, wird nicht miẞhandelt und darf täglich zwanzig Minuten auf den Hof... Ja, UG, das wäre eine feine Sache...

Torsten sitzt auf seinem Schemel, das Gesicht gewohnheitsmäßig zum Fenster gerichtet. Ihn fröstelt. Er blickt in die Zweige der Buche. Deutlich sieht er wieder eine 3... Drei Jahre noch... Drei Jahre...

Den jungen Kreibel machen sie kaputt. Dessen Widerstandskraft war doch schon fast am Ende. Ob er immer noch im Keller liegt? ... Das Klopfen ist doch eine herrliche Entdeckung... Ob die Genossen nebenan es nie begreifen? Soll er es nicht noch ein­mal versuchen? Er selbst hat es doch auch erst spät begriffen. Torsten will seine Klopfversuche erneuern. Da nahen Schritte, und die Zellentür geht auf.

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