„Ab morgen bekommt ihr neue Wachtmeister! Zirbes und ich werden ausgetauscht!”
„Das ist aber‘schade”, bedauert Torsten,„bekommen wir wenigstens einigermaßen gute Wachtmeister?”
„Ich weiß nicht!” Lenzer verzieht sein Gesicht.„Verbessern werdet ihr euch wohl gerade nicht. Obertruppführer Meisel übernimmt die Station. Mit ihm Nußbeck. Na— ich seh’ mal hin und wieder rein, wie es euch geht. Gute Nacht!”
„Gute Nacht, Herr Wachtmeister!”
Am nächsten Tag führt sich Meisel ein. Den ganzen Tag läßt er sich nicht bei den Gefangenen sehen. Abends, beim Einschließen, sagt er zu keinem einzigen ein Wort. Jeder glaubt, Meisel sei mit der Station zufrieden, und ist froh, daß alles so lautlos und reibungslos abgeht. Völlig unerwartet beginnt, etwa eine Stunde nach dem Einschluß, ein wilder Lärm. In der ersten Zelle der Station fängt es an. Schmerzensschreie hallen durch den Korridor. Schimpfworte werden geschrien.
Das Prügelkommando geht von Zelle zu Zelle. Torstens Sinne sind in den sechs Wochen Dunkelhaft außerordentlich geschärft worden; er vermeint, während der Mißhandlungen Frauen - stimmen zu hören.
Jetzt prügeln sie in der gegenüberliegenden Zelle. Das Klatschen der Peitschen und das schaurige Geschrei werden unterbrochen von den Rufen:„Ihr Massenmörder!... Ihr Gesindel!... Ihr roten Strolche!...” Und nun hört Torsten deutlich eine Frau auflachen. Kein Zweifel mehr, an diesen Exekutionen nimmt eine Frau teil. Wer das wohl sein mag?
Der Insasse in Torstens Nebenzelle wird durchgepeitscht. Er jault wie ein Hund und schreit nach jedem Schlag auf. Gleich werden sie zu Torsten in die Zelle dringen. Er merkt, wie sein
182


