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Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
Entstehung
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Puls heftiger schlägt, wie ein leises Zittern ihn überkommt. Er reißt sich zusammen.

Die Nebenzelle wird abgeschlossen. Sie kommen. Plötzlich flammt das elektrische Licht in der Zelle auf. Der Schlüssel rasselt im Türschloß. Meisel, rot und erhitzt vom Prügeln, steht in der Tür. Neben ihm steht Teutsch.

,, Runter vom Bett!"

Torsten steigt aus dem Bett. Dabei gewahrt er vor der Tür, neben einem SS- Posten mit Stahlhelm und Karabiner, ein junges Mädchen.

,, Bück dich!" schreit Meisel, der gegen Torsten knabenhaft klein wirkt.

Torsten blickt auf die Tür und zaudert. Der bewaffnete Posten und das Mädel stehen im halbdunklen Korridor, aber Torsten sieht sie deutlich. Das Mädel ist klein und sehr schlank; das Ge­sicht ist schmal und zierlich.

Klatsch! Torsten hat einen Peitschenhieb ins Gesicht bekommen. ,, Willst du dich bücken, du Schwein!" geifert Meisel und ver­setzt ihm einen zweiten Schlag über das Gesicht. ,, Bück dich, du Hund!... Bück dich!"

Meisel und Teutsch schlagen gleichzeitig auf ihn ein. Da es in der Zelle eng ist, schlägt Meisel so, daß die Peitschenenden Torsten ins Gesicht klatschen. Er hält sich schützend die Hände vor die Augen. Krampfhaft preßt er die Kinnladen zusammen und verrät durch keinen Laut seine Schmerzen.

Endlich halten sie ein.

,, Wenn ihr Hunde nicht pariert, passiert das jeden Abend!" schreit Meisel, knipst das Licht aus und wirft die Tür zu. Sie gehen eine Zelle weiter, in der sich das gleiche wiederholt. Torsten steht mit bloßen Füßen, nur mit dem Anstaltshemd be­kleidet, in der Zelle, unfähig, etwas zu beginnen. So steht er

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