legt er. Das Paket liegt auf dem Keilkissen des hochgeklappten Bettes. Dort läßt keiner ungewollt etwas liegen. Und er öffnet
es.
Es sind zwei Weißbrotstullen mit Schinken belegt.
Stundenlang blickt Torsten in den farbigen Oktoberhimmel. Besonders an klaren Abenden, wenn die Sonne sinkt. Dann strahlt der Himmel mit seinen Wolkengebilden in den herrlichsten Farben. Die Luft ist angenehm kühl, und über allem liegt eine tiefe Stille. Nur das Vogelgezwitscher jenseits der Mauer belebt die Abende.
Wenn Torsten etwas hinter dem Fenster auf den Schemel steigt, kann er, ohne von dem Posten bemerkt zu werden, die Bäume betrachten. Die Birnen und Äpfel sind gepflückt; das Laub hat sich gefärbt. Eine große Rotbuche, die die Obstbäume weit überragt, liebt er besonders. Morgens, wenn er erwacht, gilt ihr sein erster Blick, abends, wenn die Dunkelheit sich über alles legt, sein letzter.
Die Tage sind wieder lang und leer. Die Nachbarn begreifen sein Klopfen nicht. Auch kennt ihn keiner, also traut ihm auch keiner.
In der ersten Zeit wandert er in der Zelle hin und her und freut sich am Licht, an den Wolken, am Vogelgezwitscher, an seiner Rotbuche. Dann aber beginnt ihn die Untätigkeit zu peinigen. Jeden Morgen kann er beobachten, wie einige Säle auf dem Hof antreten und in Arbeitskommandos eingeteilt werden. Die einen marschieren mit Schaufeln und Hacken zur Abbrucharbeit. Die andern fegen die Höfe, harken die Wege. Die Einzelhäftlinge sind zum Nichtstun verurteilt. Unendlich langsam schleichen ihre Stunden.
Am letzten Oktobertag kommt Lenzer zu Torsten in die Zelle.
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