Druckschrift 
Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
Entstehung
Seite
180
Einzelbild herunterladen

Backstein und daneben ein großes, hohes, modernes Gebäude mit vielen großen Fenstern.

Ach, dieser Himmel... diese Bäume... Licht... Tageslicht... Verträumt blickt Torsten durch das Gitter.

Plötzlich rasselt der Schlüssel im Schloß. Lenzer reißt die Zellen­tür auf.

,, Mensch, Torsten, sind Sie meschugge?! Der Posten schießt so­fort, wenn er Sie am Fenster sieht!"

Kurz vor Einschluß wird abermals Torstens Zelle aufgeschlossen. ,, Schutzhaftgefangener Torsten!"

,, Guten Abend! Es ist hier angenehmer als im Keller, was?" ,, Jawohl, Herr Heildiener!"

,, Wegen Ihrer Magengeschichte kommen Sie man noch mal zu mir, verstehen Sie?"

Jawohl, Herr Heildiener!"

,, Am besten, wenn Wachtmeister Lenzer Dienst hat!"

Darauf schreitet der Heildiener durch die Zelle, betrachtet die Wände, öffnet den Schrank und geht dann, ohne ein Wort zu sagen, hinaus.

Auf dem Korridor sagt der Heildiener:

,, Dieser Torsten, das ist der Abgeordnete, den sie bald totge­schlagen haben, der aber nicht ein einziges Wort gesagt hat!" ,, Ich weiß!" antwortet Lenzer.

,, Kaufmann und Ellernhusen und der ganze Stab waren dabei aber selbst der dicke Köller versagte!"

,, Das ist doch der", fragt Lenzer ,,, dem die Kommune das Bein abgeschossen hat?"

Brettschneider nickt.

-

Torsten findet ein kleines, in Butterbrotpapier eingewickeltes Paket. Erst will er die Klappe ziehen und den Wachtmeister in­formieren, daß der Heildiener etwas vergessen habe. Dann über­

180