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Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
Entstehung
Seite
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Terminmäßig kann erst wieder in drei Tagen bestellt werden; es wird also auf den Sälen an Rauchwaren knapp sein.

,, Achtung! A 1, Saal 2, belegt mit vierzig Mann! Kein Bett frei!" ,, Weitermachen!" Lenzer winkt ab, geht in die Mitte des Saales, wo die Tische stehen und setzt sich auf einen.

,, Stell sich mal einer an die Tür."

Der alte Bender geht an die Tür.

" Wenn jemand kommt, gib ein Zeichen!"

Bender überwacht nach beiden Seiten den Korridor.

,, Also hört mal her, ihr Mistbienen, habt ihr noch reichlich Tabak?"

Von allen Seiten ertönen Klagerufe. Seit zwei Tagen ist keine Krume Tabak mehr im Saale.

,, Wenn ihr die Schnauze halten könnt, dann könnte ich euch eventuell Rauchwaren besorgen. Dabei will ich euch nicht ein­mal Kantinenpreise abnehmen, sondern reelle Ladenpreise. Für das Besorgen müßt ihr mir allerdings na sagen wir, zehn Pro­zent geben. Was meint ihr dazu?"

Die Gefangenen sind sprachlos. Einige blicken sich miẞtrauisch an; sie vermuten eine Falle. Die meisten aber sind viel zu gierig nach Tabak, um Bedenken aufkommen zu lassen. Der Stuben­älteste Welsen drängt sich vor und fragt: Das ist Ihr Ernst, Herr Wachtmeister?"

,, Na, was denn? Glaubst du, ich will Witze machen?"

,, Dann wären wir Ihnen sehr dankbar, Herr Wachtmeister! Wir sind natürlich mit Freuden bereit! Und selbstverständlich wird darüber geschwiegen!"

,, Dann stellt man alles, was ihr haben wollt, zusammen und sam­melt das Geld ein. Morgen mittag bringe ich das Bestellte!" ,, Achtung!" kommandiert der Stubenälteste. Doch Lenzer winkt ab. Weitermachen!"

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