,, Mein Schwager hat ein Zigarrengeschäft, und er würde mir, wenn wir ihm größere Mengen abnähmen, zwanzig Prozent geben. Nehmen wir nun an, wir würden nur vier Säle mit Tabak versorgen und nicht zwanzig Prozent Aufschlag, wie Reimers, nehmen, sondern nur zehn Prozent, so hätten wir alle vierzehn Tage glatt sechzig Mark verdient. Aber ich denke, es wird noch mehr werden, da wir ja täglich liefern können!"
Meisel sinnt vor sich hin. Sechzig Mark in vierzehn Tagen, macht für jeden dreißig. Aber wenn die dahinterkommen, gibt's einen Mordskrach. Und es muß ja auffallen, wenn einige Säle plötzlich keine Rauchwaren mehr bestellen. Er sagt Lenzer seine Bedenken.
,, Das werden wir eben bei den Kantinenbestellungen so einrichten, daß es keiner merkt. Den Kantinenkalfaktor Kurt werden wir einweihen, dann ist alles in Butter. Der soll meinetwegen dafür umsonst rauchen!"
,, Und du meinst, das ginge?"
,, Ich habe mir das so zurechtgelegt!"
,, Und wie willst du die Sachen ins Lager bekommen?"
,, Du kennst doch meine große Aktentasche, die breite, mit dem Diplomatenformat. Die wird, wenn wir täglich liefern, nicht einmal voll werden!"
,, Aber dazu braucht man Geld!"
,, I wo denn! Das Geld geben uns die Gefangenen. Tags darauf wird prompt geliefert!"
Meisel zaudert. Er möchte wohl, fürchtet aber auch das Risiko. Er sagt nicht zu und rät nicht ab. ,, Weißt du... ich werde es mir
überlegen!"
Lenzer kommt von seinem Geldbeschaffungsplan nicht wieder los. Er geht in den Saal 2 seiner Station, um einmal festzustellen, für wieviel wohl bestellt würde, wenn er das Geschäft anfinge.
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