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Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
Entstehung
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,, Mensch, was sagst du nu? Der Robert Lenzer ist in Ordnung!" Was ist denn mit dem los, der schmilzt ja wie die Butter in der Sonne!"

,, Der Robert war immer gut. Brüllt wie ein Stier und tut keiner Fliege was zuleide!"

,, Der riskiert Kopf und Arsch. Aber das kann uns schließlich egal sein."

Im Saal ein lautes Durcheinander. Einige deuten das Angebot als Zeichen der Zersetzung in der SS. Der Seemann Kesselklein meint: ,, Wenn der so weitermacht, kann er später mal mildernde Umstände erwarten."

Sofort muß der Stubenschreiber Alfred die Bestellungen auf­nehmen. Damit es schneller geht, muß Miesicke helfen. Miesicke. Zuerst sind alle Gefangenen auf dem Saal schlecht auf ihn zu sprechen gewesen. Welsen hatte sie vor ihm gewarnt; sie sollten in seiner Gegenwart keine politischen Gespräche führen, Miesicke hatte sich nicht danach benommen. Dann aber, als sie Miesicke besser kennenlernten, verzeihen sie ihm. Er ist tatsäch­lich ein Fremdkörper unter ihnen, hat von der Politik die kind­lichsten Vorstellungen und ist in seiner Angst vor Prügeln un­zurechnungsfähig. Einige grollen ihm zwar immer noch; die meisten aber nehmen ihn, wie er nun einmal ist, und geben sich Mühe, ihn im Sinne der Solidarität zu beeinflussen. Auch Schnee­mann bleibt freundlich zu ihm.

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Schneemann. Er wird von allen als vollberechtigter Kamerad be­handelt. Heimlich werden immer wieder politische Streitfragen diskutiert. Und eigenartig das gerade achten die meisten Kommunisten an Schneemann, daß er zäh seinen politischen Standpunkt verteidigt. In allen gemeinsamen Angelegenheiten aber ordnet er sich dem Spruch der Mehrheit unter.

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