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sammen an die See. Ich bin so glücklich. Du siehst, Fritz, alles geht vorüber, auch die schlimmste Zeit.

Ich bin bei Dr. Krohnberger in Behandlung; die oberen Zähne rechts machen mir Sorgen. Krohnberger fragt viel nach Dir; er läßt herzlichst grüßen.

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Vorgestern kamen einige Erwerbslose aus Moisling. Tag, Frau Koltwitz, wie geht's Ihrem Mann?"- ,, Ach", antworte ich ,,, soweit ganz gut!" Sonst erzählen sie auch noch manches. Tags darauf kamen sie, um mir im Garten zu helfen. Rührend, nicht wahr? Sie haben den ganzen Nachmittag Birnen abge­nommen und mir einen wunderschönen Strauß Blumen ins Haus gebracht. Ich habe ihnen natürlich, obgleich sie sich erst heftig sträubten, einen Korb Birnen mitgegeben. Solltest Du im Herbst noch nicht da sein, versprachen sie, dann wollten sie den Garten bearbeiten. Aber das ist ja Unsinn! Du wirst bald bei uns sein.

Entschuldige, Liebster, daß dieser Brief so kurz ist, denn ich will mit dem Mittagszug nach Hamburg fahren und noch ein­mal persönlich bei der Stapo vorstellig werden. Vielleicht kann ich Dir ein kleines Paket schicken.

Zum Schluß noch einige Verse, weil ich weiß, daß sie Dir Freude bereiten. Es ist leider die einzige Freude, die ich Dir machen kann.

,, Töricht treiben wir uns umher; wie die irrende Rebe,/ Wenn ihr der Stab gebricht, woran zum Himmel sie auf­wächst, Breiten wir über den Boden uns aus und suchen und wandern/ Durch die Zonen der Erde, o Vater Äther, vergebens,/ Denn es treibt uns die Lust, in Deinen Gärten zu wohnen./ In die Meeresflut werfen wir uns, in die freieren Ebenen, uns zu sättigen, und es umspielt die unendliche

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