stürzt humpelnd an die Fensterwand. Wachtmeister Lenzer tritt

ein.

,, Schutzhaftgefangener Koltwitz!"

,, Na, du Mistbiene, wie geht's?"

,, Das rechte Bein schmerzt noch sehr, Herr Wachtmeister, ich kann es nicht strecken!"

,, Dann mußt du dich zum Heildiener melden! Hier, ein Brief von der Gattin, der teuren! Sag' mal, ist die Dichterin?"

,, Nein, Herr Wachtmeister!"

,, Sie macht also die Gedichte nicht selber, die sie dir in den Briefen schreibt?"

,, Nein, Herr Wachtmeister, das sind gewöhnlich Gedichte, die wir früher zusammen gelesen haben!"

Lenzer betrachtet den blassen Juden mit dem glatten, polierten Schädel, der gebeugten Haltung, blickt ihm in die großen dunklen Augen und lacht kurz auf: ,, Ihr habt zusammen Gedichte ge­lesen?" Er schmunzelt vergnügt:" Ihr müßt ja ein kurioses Pärchen sein..."

Koltwitz liest:

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Mein lieber Fritz, liebster Mann, ich habe mich nun doch nach dem Reinfall mit Dr. Behrens mit Dr. Ruschewenke in Verbindung gesetzt. Er hat mich sehr freundlich empfangen und mir versprochen, alles zu unternehmen, was in seinen Kräften steht. Ich habe ihm von Deinem Vorschlag, der Staatspolizei für Deine Beurlaubung eine Kaution zu stellen, erzählt. Er hält das für überflüssig und ist überzeugt, daß Du nicht mehr allzulange dort sein wirst. Ich habe ihn sehr hoffnungsfroh verlassen.

Am letzten Sonntag war ich mit Benno in Travemünde. Es war herrliches Badewetter. Benno hat immer von seinem Vati gesprochen. Vielleicht fahren wir nächsten Sonntag schon zu­