Woge/ Unsern Kiel, es freut sich das Herz an den Kräften des Meergotts./ Dennoch genügt es ihm nicht; denn der tiefere Ozean reißt uns,/ Wo die leichtere Welle sich regt. / O wer dort an jene/ Goldnen Küsten das wandernde Schiff zu treiben vermöchte."

Du Lieber, harre noch ein wenig aus, nur noch kurze Zeit. Dein Benno schickt Dir Grüße und Küsse; und ich auch.

Irene.

Welch ein Freudentag; Koltwitz liest den Brief dreimal, liest ihn immer noch einmal, lacht und weint dabei vor Freude. Man sieht doch wenigstens das Ende näher rücken. Das Schreckliche zu ertragen ist nicht umsonst gewesen. Jede Kreatur hängt am Leben. Und das Leben ist schön. Wie schön und lebenswert eigentlich, das hat er erst hier erkannt.

Ach, Koltwitz streckt die Arme seitlich in die Höhe, reckt sich, dehnt sich, daß die Gelenke knacken. Jetzt möchte er hinaus­stürzen, hinaus ins Freie, weg von den Menschen, in weite Wäl­der, auf große, schwindelerregende Höhen. Sein Bein würde er von einem guten Spezialisten kurieren lassen. Das würde schon gehen. Und so arg ist es auch gar nicht. Eine kleine Sehnen­zerrung, das wird alles sein.

Die Genossen sind doch prächtige Kerle. Kommen seiner Frau helfen. Ja, die Genossen, das sind gute Kameraden. Aber die andern, die sich an die Staatspfründen und an die Pensionskassen klammern, das sind ausgemachte Schurken. Ach, vergessen! Nicht dran denken! Vergessen! Vergessen! Ein Glück, daß er tagsüber so gut gearbeitet hat, jetzt faßt er nichts mehr an, läßt Tampen und Werg liegen und humpelt, kühne Ideen im Kopf, um seinen Arbeitstisch herum.

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