,, Achtung!"
Sturmführer Dusenschön, Stationswachtmeister Zirbes und der Inspektor des Lagers, Reimers, betreten den Saal.
Der Stubenälteste springt vor und meldet:„ A 1, Saal 2, belegt mit achtunddreißig Mann, zwei Betten frei!"
,, Rührt euch!" Dusenschön macht einige Schritte in den Saal. ,, Hört mal her! Ihr bekommt Zuwachs, einen neuen Kollegen, einen sauberen Kollegen: den SPD - Bonzen Schneemann. Mancher von euch wird ihn kennen. Er hat nicht nur Leute von uns, sondern auch manchen von euch auf dem Gewissen. Er hat euch nicht schlecht bei der Polizei denunziert. Ihr habt also alle Ursache, den Zuwachs gebührend zu empfangen. Für alles, was in den nächsten Stunden auf diesem Saal geschieht, habe ich volles Verständnis!"
Nach diesen Worten dreht er sich um und winkt Zirbes zu. Der geht an die Tür und ruft: ,, Reinkommen!"
Der Sozialdemokrat Schneemann betritt hastig den Saal: klein, korpulent, rundköpfig, hochstehende Haare. Achtunddreißig Augenpaare der Gefangenen sind auf ihn gerichtet. Mancher unter den Gefangenen kennt den Neuen: Schneemann war wiederholt mit seinen Schupo- Rollkommandos in kommunistische Versammlungen eingedrungen, hatte sie gesprengt und Arbeiter, die sich dagegen wehrten, festnehmen lassen und der Polizei ausgeliefert.
Sturmführer Dusenschön verläßt langsam und bedächtig den Saal. Er schmunzelt. Wachtmeister Zirbes wirft bedeutsame Blicke auf die Gefangenen und den Zuwachs. Er schmunzelt. Der Lagerinspektor geht als letzter. Auch er schmunzelt. Die Gefangenen bleiben noch eine ganze Weile unschlüssig stehen und betrachten den Neuen. Der wirft sein Bündel Anstaltszeug, das er unterm Arm trug, auf den Boden.
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