Am Tage war es noch zu ertragen gewesen, die Ohren konnten leben. Vor seiner Boxe war ein dauerndes Kommen und Gehen. Die Wachtmeister sprachen miteinander. Namen wurden auf- gerufen. Zu- und Abgänge mußten auf dem Gang warten. Das Leben war nicht ganz erstorben. Doch in diesen Abendstunden, wo es in diesem riesigen, steinernen Kellergewölbe menschenleer und totenstill ist, wo die Sammelzellen leer sind, der Lärm der Korridore erloschen ist und nur alle halbe Stunde ein einsamer Mensch auf Filzschuhen vorbeischleicht, ist es entsetzlich in diesem stehenden Sarg.

Torsten hämmert mit den Fäusten gegen die Tür. Sofort kommt der Wärter herbeigelaufen, aber er wagt nicht, die Tür der Boxe zu öffnen, sondern schreit von außen in den Kasten:Hallo, was ist denn los? Verhalten Sie sich mal ruhig!

Bin ich hier vergessen worden?

Bei uns wird keiner vergessen, hat alles seine Richtigkeit! Herr Wachtmeister, nun sagen Sie doch mal, warum werde ich allein. noch in diesem Käfig festgehalten? Soll ich die ganze Nacht hier drin bleiben?

Mann, das kann ich Ihnen auch nicht sagen, ich weiß es nicht! Torsten hört den Wärter fortschlürfen. Jedenfalls weiß der nun, daß noch einer hier sitzt. Nach einiger Zeit nähern sich wieder die schleichenden Schritte. Torsten hört seinen Namen flüstern und preßt das Gesicht an die Luftlöcher der Tür.

Es heißt, Sie sollen heute abend noch vernommen werden! Sie und Tetzlin. Der Chef der Staatspolizei will selbst dabei sein! Ich danke Ihnen! flüstert Torsten aus seinem Kasten.Sitzt Tetzlin auch in einer Boxe?"

Nein, der ist anscheinend drüben beim KzbV!

Torsten atmet erleichtert auf. Heute wird man wohl nicht miß- handeln, wenn der Chef der Gestapo dabei ist. Sie wollen ihn

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