schuldigen, Unglücklichen herumgetrampelt wird, wenn die Men­schenrechte miẞachtet werden, wenn sein Volk mit Sirenen- und Fanfarenklängen in einen neuen Massenmord gelockt wird; er kann dann nicht schweigen, tät er's, er käme sich vor wie ein Verbrecher, denn er weiß, das Ende heißt Tod und Grauen, Not und Elend von Millionen... Die Narren, die da glauben, sie retten sich und ihr Heim, wenn sie schweigend und duckend und gehorchend alles hinnehmen, was die neuen braunen Herren be­fehlen, sie werden ein tolles Wunder, ein furchtbares Erwachen erleben...

Nein, ein Torsten kann nicht anders handeln, als er gehandelt hat. Und er würde genau so handeln, böte sich ihm noch einmal die Gelegenheit dazu. Die draußen haben die Aufgabe, die Massen aufzuklären und die Pläne der Kriegstreiber zu durch­kreuzen. Hier drinnen steht die Aufgabe, durch besonders hohe Moral die Massen zu begeistern und den Gegner zu demorali­

sieren...

Dennoch: und Anna?... Und die kleine Margreth?... Was für Sorgen, was für Ängste werden sie ausstehen. Er weiß, sie billigt seine Handlungen, wirft ihm nichts vor, sie ist ein Mensch mit Sinn für Recht und Gerechtigkeit, mit Gefühl für Stolz und Würde, ein Mensch, der lieber leidet, als anderen Leid zuzu­fügen...

Auch sie ward zuweilen kleinmütig, hatte ihm zu verstehen ge­geben, sie hätten doch eigentlich nichts von ihrem Leben, ewig dies Gehetztsein, diese Unruhe, diese Sorge um andere, diese- Politik... War nicht viel Wahres dran?... Gewiß, das was andere, Leben' nannten... Arbeit, Verdienst, Feierabend, Heim und Eheleben und nichts anderes und dies möglichst ungestört,- das hatten Torstens selten kennengelernt. Sie kannten es nicht, denn sie wußten, wenn sie sich die Augen verbinden und von den

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