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Maßnahme erst der Anfang der Grausamkeiten ist, die ihm be­vorstehen. Sie wissen, wer er ist, und er weiß, sie wollen alles wissen, was er weiß. Seit Monaten hat er mit der Möglichkeit einer Verhaftung gerechnet, und er hat oft, wenn er daran dachte, gelindes Grauen gehabt, hat sich immer gesagt, wenn es so weit ist, komme ich nicht wieder heraus. Nun wundert er sich, daß er so ruhig, so gefaßt ist. Er sagt sich, es sind Bessere, Tüch­tigere vor mir denselben Weg gegangen. Und sie sind ihn mutig gegangen.

Verdammtes Pech. Kaum angelangt, auch schon verhaftet. Tetz­lin muß entsetzlich leichtfertig gearbeitet haben. Er hätte nicht gleich selber die Verbindung aufnehmen sollen. Doch was nützen jetzt alle Selbstvorwürfe, jetzt heißt es das bittere Ende ertragen. Torsten denkt an die Genossen. Wie werden sie erschrecken, wenn sie von seiner Verhaftung erfahren. Vor wenigen Wochen erst ist hier fast der ganze illegale Parteiapparat hochgegangen, über dreihundert Genossen. Und nun auch Tetzlin und er. Über­all sitzen Spitzel. In allen Ecken lauert Verrat. Die Genossen werden in den nächsten Wochen und Monaten harte Arbeit haben. Heinrich Torsten selbst hat Urlaub, den einzigen Urlaub, den es für einen Kommunisten gibt. Und auch im Gefängnis und Konzentrationslager gibt es eigentlich unendlich viel zu tun. Urlaub, vollständigen Urlaub von der Politik haben wir erst im Grab. Vielleicht stehe ich schon davor. Wer kann wissen, was der nächste Tag bringt? Eugen Leviné sagte: Tote auf Urlaub. Wir Kommunisten sind Tote auf Urlaub!

... Und Torsten denkt an seine Frau Anna und an sein Töchter­lein Margreth... Sie sind jetzt allein, verlassen, hilflos. Ja, er hatte ein Heim, hatte eine Familie, hatte alles, was einem Bürger genügen mag, um glücklich und zufrieden zu sein... Er aber ist so geartet, daß er nicht leben kann, wenn auf Wehrlosen, Un­