lauschte er dem rascheren Atem fremder Frauen, sprach die Nächte durch und hörte andere sprechen, und die Jugend wollte nie enden. Deutlicher verstand er, daß alles, was sich an ihm vollzog, ihn nur in der einen Richtung bestärken wollte: das Leben näher zu fühlen und dieses stärker Gefühlte ins Große, ja Unvergängliche zu steigern. Die Angst, mit der er in Wernickes Augen geblickt hatte, als er ihm einst auf dem Ritt jene Frage stellte, war nur die letzte Abwehr eines früheren Seins, das er von sich abfallen spürte wie eine verbrauchte Schale. ,, Ich habe nur ein Leben", hörte er sich manchmal laut sagen, wenn er allein war. Er las Bücher und sprach Menschen, die er Kameraden und Eltern nicht zeigen durfte. Das Regime verachtete er zunächst stillschweigend in der Weise, die ihm Stand und Familie vorschrieb. Später erst, er war Leutnant und hatte zwei Feldzüge mitgemacht, begann er sich darüber zu verwundern, daß in all seine Überlegungen und in sein Drängen nach einem erfüllteren Leben der Gedanke an die politischen Zustände seines Landes kaum getreten war. Fast gleichzeitig fühlte er, daß er die Diktatur nicht länger aus den gleichen Gründen verachten konnte, sondern daß er sie neuer Er kenntnisse wegen haßte.
Am vierten oder fünften Tage seines Aufenthaltes teilte ihm der Freiherr mit, daß die Geheimpolizei mit ihren Nachforschungen in die Nähe des abseits gelegenen Gutes gelangt und seine schleunige Abreise geboten sei. Er fügte hinzu, daß alles getan worden wäre, um Yorck in endgültige Sicherheit zu bringen. An welchen Platz der Freiherr ihn zu senden gedenke,
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