ostpreußischen Hengst, der sich später in Karlshorst das Hüftgelenk zersplittert hatte und den man er- schießen mußte. Wann war das doch? Er mußte da- mals sechzehn oder siebzehn Jahre alt gewesen sein. Wernicke folgte auf der grauen Stute, einen Schritt zurück.„Was war da gestern abend los, Wernicke? All die Leute vor den Remonteställen?‘‘— ‚Nichts weiter, Herr Graf...‘‘ Die leichte Verlegenheit in Wernickes Stimme. Damals sagte er noch„Herr Graf“, später. nannte er ihn„Herr Leutnant“.—„Immer her- aus mit der Sprache.‘‘ Yorck ahmte die Sprechweise des Vaters nach.—„Der Verwalter hatte den Folg- mann entlassen.‘„‚Folgmann? Aha, ich weiß schon. Aber das ist doch wohl nicht alles?‘ Den Kopf halb zurückgewandt, spricht er in den dunkelblühenden Himmel hinein, der über Heide und braunen Roggen- feldern liegt. ‚Den Folgmann haben sie geholt, Herr Graf. Er soll gehetzt haben.“—„So... Sieh einer an...“— Wie lange waren sie so geritten? Yorck sieht starr zwischen den spielenden Ohren des Pferdes durch. ‚„‚Wernicke?‘‘— ‚Herr Graf?‘— ‚Was war eigent- lich Ihr Vater?“— Mein Vater? Heuerling beim gnä- digen Herrn, er starb schon anno dreizehn. Blutver- giftung. Die Mutter wohnt ja noch drüben im Heide- dorf. Die hält ihre Kate immer noch recht.‘ Der Hengst strauchelt. Yorck zieht die Zügel an und wendet sich im Sattel.„Was denken Sie von den Roten, Wernicke? Sprechen Sie aufrichtig.“—„Aber, Herr Graf... Herr Graf müssen wissen, ich und die Politik...“ „Nein, Wernicke, das gilt nicht... Ich hab mal was darüber gelesen, verstanden hab ich’s nicht ganz... Man müßte mehr wissen, Wernicke, wirklich...“—
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