Er hörte Schritte und wußte, daß man sie in die Lichtung hinausbrachte. Aufschauend verlor er sich in die kühlen, hellen Augen eines der Gefangenen. Der Ausdruck des scharfen, leicht schielenden Blickes war jenseits aller Verzweiflung, unbeschreiblich versunken, wägend, erkennend. Nur wenige Sekunden hindurch hatten sich ihre Blicke gekreuzt wie kam es, daß Yorck sich dieser Augen jetzt entsann. Es schien ihm auf einmal, daß er seit dieser Sekunde durchschaut war, daß er wie nackt war vor aller Welt. Er spürte keine Bewegung in sich, nur ein ermüdendes, ja zermalmendes Bewußtwerden, und, ohne sich zu rühren, sagte er zum Fenster hin:
,, So kann man nicht leben!"
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Ein Seufzer schien ihm zu antworten. Er warf sich herum und sah Anna an der Tür stehen. Seine unvorsichtige Bewegung jagte ihm Wellen des Schmerzes durch Kopf und Nacken. Während er sich mit beiden Händen zum Halse griff, entsann er sich der Bemerkung des Freiherrn . Anna, kaum zwanzigjährig, war Yorcks Verlobte. Sie war von süßer und schwacher Schönheit. Mit einem von weither kommenden Blick schaute er quer durchs Zimmer zu ihr hinüber.
,, Peter!" sagte sie mühsam.
Er machte ein paar langsame Schritte. Er betrachtete sie aufmerksam. Dies war Anna, die seine Frau werden sollte. Er dachte mit einer Art düsterer Ungeduld an gewisse mißbilligende Andeutungen älterer Verwandter, wie seltsam es sei, daß ein Yorck von Wartenburg eine Bürgerliche zu ehelichen gedächte, und sei es auch die Tochter eines Konsistorialrates. Sie sah auf zu ihm, der immer noch kein Wort sprach. ,, Peter!"
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