spürte schwer und schmerzend alle Glieder und der Kragen seines Waffenrocks beengte qualvoll seinen Hals. Er wußte, daß er nun allein war. Er sah die Gesichter seiner Gefährten vor sich, scherzend, besorgt, schreckensstarr. Das Antlitz des Generalobersten B. tauchte vor ihm auf, mit geschlossenen Augen, wachsgelb, an die Stuhllehne vor dem Schreibtisch hingesunken, während in den Korridoren des Hauses in der Bendlerstraße noch eine verspätete Handgranate krachte. Er sah genau die Rauchringe einer verglimmenden Zigarette, den Blutfaden, der unter dem kurzgeschnittenen grauen Haar des Generalobersten hervortrat. Indem er in dumpfer Betäubung die Fäuste regierungstreuer Soldaten gegen sein Gesicht spürte, hatte er noch immer in das spitzwerdende Antlitz des Generalobersten gesehen. Er merkte auf die unbestimmten, erstickten Geräusche des Hauses. Vor dem Fenster, das blind in die Nacht hinausstarrte, musterte er die verletzlichen Schläfen und seine Schultern, die in der Uniform nach unten fielen. Ohne daß er sich die Ereignisse der letzten Jahre im einzelnen ins Gedächtnis zurückgerufen hätte, fühlte er in dieser Stunde, daß eine Last von Zögern, Lähmung und Unklarheit auf seinem Herzen war und seine Kraft überkommen wollte.
Yorck, dies überdenkend, spürte noch den schrägen Blick eines barhäuptigen Franzosen unbestimmten Alters, den man an ihm vorbei mit sieben anderen zum Erschießen geführt hatte. Der Augusttag war blau gewesen. Yorcks Blicke glitten über die Wälder, die in der Ferne flimmerten. Er betrachtete den bestäubten Wegerich, der aus dem Pflaster der Dorfstraße wucherte.
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