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Zwei Erzählungen / Stephan Hermlin
Entstehung
Seite
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spürte schwer und schmerzend alle Glieder und der Kragen seines Waffenrocks beengte qualvoll seinen Hals. Er wußte, daß er nun allein war. Er sah die Ge­sichter seiner Gefährten vor sich, scherzend, besorgt, schreckensstarr. Das Antlitz des Generalobersten B. tauchte vor ihm auf, mit geschlossenen Augen, wachs­gelb, an die Stuhllehne vor dem Schreibtisch hin­gesunken, während in den Korridoren des Hauses in der Bendlerstraße noch eine verspätete Handgranate krachte. Er sah genau die Rauchringe einer verglim­menden Zigarette, den Blutfaden, der unter dem kurz­geschnittenen grauen Haar des Generalobersten her­vortrat. Indem er in dumpfer Betäubung die Fäuste regierungstreuer Soldaten gegen sein Gesicht spürte, hatte er noch immer in das spitzwerdende Antlitz des Generalobersten gesehen. Er merkte auf die un­bestimmten, erstickten Geräusche des Hauses. Vor dem Fenster, das blind in die Nacht hinausstarrte, musterte er die verletzlichen Schläfen und seine Schul­tern, die in der Uniform nach unten fielen. Ohne daß er sich die Ereignisse der letzten Jahre im einzelnen ins Gedächtnis zurückgerufen hätte, fühlte er in dieser Stunde, daß eine Last von Zögern, Lähmung und Un­klarheit auf seinem Herzen war und seine Kraft über­kommen wollte.

Yorck, dies überdenkend, spürte noch den schrägen Blick eines barhäuptigen Franzosen unbestimmten Al­ters, den man an ihm vorbei mit sieben anderen zum Erschießen geführt hatte. Der Augusttag war blau ge­wesen. Yorcks Blicke glitten über die Wälder, die in der Ferne flimmerten. Er betrachtete den bestäubten Wegerich, der aus dem Pflaster der Dorfstraße wucherte.

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