hatte. Vom General ging es weiter bis zum jüngsten hinab, dem in den Zwanzigern stehenden Leutnant Graf Yorck von Wartenburg , Träger eines der berühmtesten Namen deutscher Vergangenheit, der ein junger Mensch war mit braunem Haar und schönen, jetzt aber vor unterdrücktem Grauen gänzlich leeren Augen. Yorck, der seit dem Augenblick, da er entwaffnet und den gefürchteten schwarzen Garden des Diktators überliefert worden war, sich in eine ihm ebenso bekannte wie bekämpfenswert erscheinende Apathie hatte sinken sehen, durch die er gleichsam mit dem Tode ins geheimste und innigste Einvernehmen trat, hatte seit einer Woche in schrecklichster, quälender Ungeduld und unsinniger Hoffnung gelebt. Damals hatte er frühmorgens in seinem Brot einen Zettel gefunden, den er, am ganzen Körper geschüttelt, wieder und wieder gelesen hatte. ,, Kopf hoch! Wir holen Dich heraus! Wernicke wird den Wagen bereit halten." Yorck hatte die Handschrift des Freiherrn v. H., eines Freundes seines Vaters, zu erkennen geglaubt. Die folgenden Tage und Nächte vergingen ihm schnell oder langsam, während er sich ausmalte, wie die Befreiung vonstatten gehen würde. Konnte es sich um eine Amnestie handeln? Kein Gedanke war unsinnig genug, um von vornherein verworfen zu werden. Der letzte Satz auf dem Zettel schien allerdings auf einen geplanten Handstreich hinzudeuten. In Yorcks fiebrigen Träumen hallte der Gang von Schüssen und eilenden Schritten wider.
All seine Hoffnungen endeten hier, fünfzig Schritt vor dem Galgen, der im gefährlichen Licht eines sich gelblich färbenden Nebels vor ihm aufragte. Seit der
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