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Zwei Erzählungen / Stephan Hermlin
Entstehung
Seite
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zusammen. Die Herde der Abreisenden kreiste vor seinen Augen. Reichmann atmete tief, verzweifelt, als fänden seine Lungen keinen Sauerstoff mehr. Schweiß lief in seinen trockenen Mund, er trank ihn in kleinen Schlucken.

,, Reichmann!"

Keine Antwort.

,, Reichmann!"

Keine Antwort.

Er fühlte neben sich noch sechs, acht, vielleicht zwölf andere. Er sah sie nicht an, aber er spürte ihre Gegen­wart, ihre Gegenwart als Zahl. Ein infernalischer Irr­tum. Nun, warum nicht? Man konnte nicht entrinnen, nicht dieser Stimme. Und dann: hier war man einzeln, deutlich erkennbar, dort ein Teil der Masse, ununter­scheidbar von all den Getriebenen. Man würde eine Gelegenheit finden, später, später...

,, Reichmann, David!"

Neben ihm stammelte jemand: ,, Hier!" ,, Na also! Endlich! Transport!"

Ein kleiner grauer Mann trat hinter dem Maler her­vor und verschwand. Reichmann spürte eine unge­heure Kälte, die aus dem Boden hervordrang, die Knie erreichte, den Leib ergriff. Das ist der Tod. dachte er.

,, Die übrigen zurück!"

Er sah undeutlich die wenigen, die neben ihm durch die Tür hinausglitten. Er entkleidete sich nicht. Er fiel auf seinen Strohsack und war eingeschlafen.

Am nächsten Morgen rief man ihn ins Büro. ,, Reichmann, Hans? Sie sind entlassen."

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