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ihr schluchzendes Stöhnen, ihre von jähem Verstummen gleichsam dementierten Protestworte auch dies war nur die Darstellung der Hilflosigkeit. Unter dem kreidigen Licht eines Bahnhofs oder eines Operationssaales entrollte sich ein Ballett von feierlich- grotesker Besessenheit: die Hysteriker, die verhinderten Amokläufer, die Kinder, die mit aufgerissenen Augen eine Puppe im Sand nachschleifen ließen, huldigten der medusischen Stunde. Von einem unsichtbaren Regisseur machtvoll gelenkt, stellten sie eine höllische Szene, deren Akteure sich selbst zuschauten.
Reichmann ging in seine fast leere Baracke. Ein schreckliches Zittern stieg ununterdrückbar aus seinem Innern, riß ihm die Kiefer auseinander und brach als heiseres Stöhnen aus seinem Mund. Er hatte drei Schritte über die Schwelle getan, als eine Hand ihn an der Schulter faßte und ihn zwang, sich umzudrehen. Zwei Gendarmen hatten hinter der Tür gestanden. ,, Was wollen Sie hier?"
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,, Ich gehöre nicht zum Transport", sagte Reichmann. Unmöglich, das Zittern zu verbergen. Sie mußten es sehen. ,, Kommen Sie mit."
Es war nicht möglich. Er hatte noch nichts sagen können, weil er seine ganze Kraft brauchte, um die Zähne aufeinanderzupressen.
,, Sie kommen mit! Machen Sie keine Geschichten!" Man führte ihn in einen kalkweiß erleuchteten Raum. Hinter einer Barriere zogen die zum Transport Bestimmten vorbei. An einem Tisch saßen mehrere Uniformierte. Eine Anzahl Männer stand vor ihnen in einer Ecke: man stellte Reichmann dazu. Der Lichtbogen einer Lampe sang schneidend.
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