er damals Herta in Malaga getroffen hatte. Dabei war es, als suche sein verstörtes Bewußtsein Schutz vor dem Unbegreiflichen, schon nahm es die Nachbarschaft der beiden Städte als gegeben, die Reise als vorsätzlich, die Zukunft als ungewiß hin. Und er überraschte sich bereits dabei, die Chiffren der Schatten, auf den steinernen Schwellen, der Risse in den Mauern, der Ladenschilder und Gitter enträtseln zu wollen.
Bis dahin war ihm niemand begegnet. Ein paarmal glaubte er weiter oben einige Menschen hastig dahineilen zu sehen. Männer schlüpften an den Häuserwänden entlang und verschwanden unversehens in einem Haustor; zwei Frauen, schwarze Tücher eng um den Kopf gezogen, flatterten mit eckigen Bewegungen über die Fahrbahn. Das pathetische Schweigen der Fassaden wurde nur selten von fernem Geräusch gestört: vom Gellen einer Hupe oder einem trockenen Knacken und Prasseln, das zuweilen wie dürre Erbsen über die Dächer lief.
Die Stadt quoll in der stickigen Luft wie ein Schwamm. Er erkannte die Ramblas wieder; plötzlich befand er sich auf dem Paseo de Gracia. Wie ungeheure Tropfsteinhöhlen, über die sich sodomitisch der Himmel wölbte, brannten die Fassaden, auf denen der Stuck phantastische Blasen warf. Phosphoreszierende Schwaden zogen um Erker, Türmchen, Stelen und Karyatiden. Näher kommender Motorenlärm ließ ihn an einer Querstraße innehalten. An dem kleinen geschlossenen Wagen, der von weitem schon durch Signale Einfahrt in die Hauptstraße forderte, war nichts Ungewöhnliches zu bemerken. Dennoch empfand Reichmann bei seinem Anblick eine unsinnige Freude, deren er sich
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