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Zwei Erzählungen / Stephan Hermlin
Entstehung
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sich den immer wieder ausbrechenden Schweiß von der Stirn, während er die Stufen hinabstieg und gedanken­los die weißen Kacheln und metergroßen Reklame­bilder betrachtete. Ein schläfriger Beamter, mit einem von der Hitze gedunsenen Gesicht über dem geöff­neten Kragen, reichte ihm seinen Fahrschein. Der Maler fühlte eine so tiefe Erschöpfung, daß er sich am lieb­sten auf den steinernen Weg niedergelassen hätte; aber mechanisch setzte er Fuß vor Fuß- in geringer Entfernung erwartete ihn eine Bank oder der hölzerne Sitz in einem der Wagen des nächsten Zuges.

Er wußte nicht, wieviel Zeit verstrichen war, als es ihm klar wurde, daß er seinen Weg verfehlt hatte. Schon längst hätte er auf dem Bahnhof sein müssen, und er schüttelte den Kopf über seine Achtlosigkeit, die ihn auf der vertrauten, täglich benützten Station diesen Durchgang hatte übersehen lassen, in dem er sich gerade befand. Er ging jedoch in der Gewißheit weiter, daß der Tunnel, wie alle anderen auch, auf den Bahnsteig münden würde, und er empfand eine Art belustigten Ärgers, als er nach weiteren Minuten feststellen mußte, daß der Gang sich teilte: während das eine Ende in Stufen nach oben führte und den Himmel sehen ließ der Maler wähnte das Rauschen der Fontäne auf der Place St. Michel deutlich zu ver­nehmen lief der andere Zweig, von wenigen Glüh­lampen da und dort beleuchtet, in ein ungewisses Halbdunkel, in das sich Reichmann nach kurzem Zö­gern verlor.

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Er ging erstaunlich lange, ohne einem Menschen zu begegnen, und seine beinahe behagliche Selbstverspot­

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Institut für neuere deutsche Literatur der Justus- lichin- Iniversität Gießen