der Truppführer breitbeinig vor ihnen auf und hielt ungefähr folgende Ansprache:
„Mal herhören! Da sind sich einige über den Zweck ihres Hierseins nicht im klaren. Außer den -acht Mann geht jetzt alles ins Moor— Holz sam- meln. Die zehn Wagen müssen voll werden. Je schneller ihr macht, desto früher kommen wir nach Hause. Wenn ihr langsam macht, bleibt ihr draußen bis ihr schwarz werdet. Wer sich eingebildet hat, es gibt hier eine Vergnügungsfahrt, war schief ge- wickelt."
Damit wandte er sich der Mannschaft zu und teilte sie ein.
Durch die Reihen der Gefangenen lief ein Zittern. Der Befehl hatte wie ein Blitz eingeschlagen, und sie erkannten, daß sie betrogen, getäuscht und her- eingelegt worden waren. Nicht zum Begräbnis hatte man sie ins Moor geschickt, sondern zur Arbeit! Zur Arbeit am freien Samstagnachmittag sollten sich Freiwillige melden, und weil die Leiche sowieso hier herausgebracht werden mußte, hatte die Komman- dantur die Gelegenheit ausgenutzt, Brennholz zu be- schaffen, vertrocknetes, verfaultes Wurzelwerk, das an dieser Stelle zahlreicher war als in der Um- gebung des Lagers. Das war der Sinn der sieben leeren Wagen, das war das erwachte Gewissen des Kommandanten, das war das Rätsel der Humanität, und das war die Pflicht der sechzig Besten des Lagers: auszufahren mit einem Toten und heimzu- kehren mit einer Fuhre Holz.
Aber seltsam— trotz der plötzlichen Aufwallung,
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