lieferung ins Gefängnis mit neuen Torturen neuer Peiniger, endlich der Abtransport ins Lager, der Peitschenmarsch durchs Moor, die Ankunft hinter Stacheldraht....
Abend für Abend, ehe ihn der Schlaf erlöste, lag er seither in wüster Einsamkeit wach, hilflos den Bildern jener furchtbaren Erlebnisse preisgegeben, die sich in wirrem Durcheinander immer wieder vor ihm abrollten. Auch in dieser Stunde durchraste er das ganze Inferno der vergangenen vier Wochen, bis ihm der Angstschweiß ausbrach und nichts zu- rückblieb als Furcht, entsetzliche Furcht und ein Stück zuckendes, gequältes Herz, das aus der Finsternis stammelte: leben! leben! leben!
Aus der Tiefe des endlosen Regens, der draußen niederging, tauchte vor ihm das Gesicht des er- schlagenen Kameraden auf, wie das Gesicht einer Leiche auftaucht im Wasser. Er sah es deutlich vor sich, dieses Gesicht, das er noch nie gesehen hatte, weiß und leblos, blutige Wunden auf Stirn und Wangen , über die der Regen rann, und er erkannte es: es war sein eigenes Gesicht, das ihn aus der Nässe anstarrte...
Die hölzerne, verschlossene Baracke begann zu schwanken wie ein schwimmender Sarg, eine Arche Noah, die, mit hundert Toten beladen, ziellos auf den trägen Wassern der Sintflut trieb. Neben ihr schwammen leise schaukelnd die anderen Baracken mit ihrer Totenfracht, stießen mit leisen, dumpfen Tönen gegen ihre hölzernen Wände, drehten ab und kreiselten langsam ins Dunkle.
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