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˜Eineœ Fuhre Holz / Wolfgang Langhoff ; Einband und Illustrationen: Georg McKing
Entstehung
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schlossen, am nächsten Tag seinen Namen zu er­forschen.

An diesem Abend war es früh still unter den Gefangenen. Um acht Uhr lagen alle auf ihren Strohsäcken. Die Nachtwache machte die letzte Runde, löschte die Lichter und verschloß die Türen.

In Baracke vier, auf einer oberen Pritsche, lag der Schreiner und starrte in das dunkle Gebälk des Daches. Rings um ihn herum schlief schon alles. Der Regen prasselte leise auf das Dach und gegen die Fensterscheiben, die von Zeit zu Zeit in vor­überhuschendem Scheinwerferlicht aufleuchteten. Er konnte nicht schlafen. Seine Gedanken, unruhig flackernd, suchten den stummen Mann in der Arrestzelle.

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.. Eine Kugel kam geflogen,- gilt sie mir oder gilt sie dir?... Der Regen wird uns noch weg­schwemmen... Heute du, morgen ich, Kamerad, hier kommt keiner mehr heraus...

Er war erst seit vier Wochen Gefangener. In diesen vier Wochen aber hatte er alle Stationen durchschritten, die ein Schutzhaftgefangener durch­schreiten muß: die Verhaftung, dann das Verhör im SA- Keller, die ersten Prügel, die er fassungslos und mit beinahe ungläubigem Entsetzen über sich ergehen ließ, die täglich folgenden Wiederholungen dieser brennenden Qual, während der ihm Mut, Würde und Standhaftigkeit Stück für Stück vom Leibe heruntergeprügelt wurden und er in jähem Fall hinunterstürzte in die dunkelsten, unbekann­testen Tiefen seines Menschseins; dann seine Ein­

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