Tages hieß es nämlich, vierzig Russen vom Steinbruchkommando hätten an einer weniger übersichtlichen Stelle die Posten überrennen und erschlagen wollen, um ungehindert fliehen zu können. Man legte zuerst einmal fünf sogenannte Rädelsführer in Ketten und stellte sie acht Tage lang ohne Nahrung auf die Lagerstraße. Inzwischen begannen die Verhöre, bei denen der Knüppel und der Pfahl die Hauptrolle spielten. Das Ergebnis läßt sich leicht ausrechnen: Die Gefolterten gestanden all das, was die SS zur Konstruktion einer Massenmeuterei brauchen konnte. Dabei war jedem, der die Situation im Steinbruch kannte, klar, daß hier ein Ausbruchsversuch absolut aussichtslos war. Allein darauf kam es nicht an, sondern darauf, daß man nach Berlin wieder über eine Heldentat berichten und damit seine Unabkömmlichkeit für den gefährlichen ,, Frontdienst" beweisen konnte. Einer der fünf Rädelsführer starb, das heißt, er verhungerte, die anderen vier wurden erhängt.
Die Methoden der Dezimierung wechselten allerdings und ich will der SS gern das Zugeständnis machen, daß sie bei aller Geistesarmut darin wenigstens erfindungsreich war. Wenn man Leute erhängen oder erschießen wollte, wurde dazu mindestens der Schein des Rechtes gebraucht; doch so konnte die Mordlust nicht befriedigt werden. Es ging ja auch anders. Zum Beispiel so: An einem sehr kalten und windigen Dezembertage war es wieder einem geglückt, seinen Peinigern zu entfliehen. Die Arbeitskommandos rückten daraufhin ein und blieben
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