Das Schreckensregiment der Dachauer unter Anfüh- rung der Gutmann und Knoll*) fand ein plötzliches Ende. Unser deutsch -tschechischer Blockältester, eine Kreatur wie sein Stubenältester, die beide reichlich viel Schuld an dem Tod unzähliger Kameraden tru- gen, wurden ebenfalls abgelöst und den Block 3 er- hielt ein Berliner,-ein wirklicher Kommunist, der es verstand, Ordnung zu halten ohne Schläge, Fußtritte und Gummiknüppel. Wir nannten ihn„Icke‘“, sein bürgerlicher Name war Franz Mels. Jeder ehemalige Natzweiler, der einmal das Glück hatte, unter seiner Obhut zu stehen, wird seiner in Dankbarkeit und Ver- ehrung gedenken. Er tat alles, seinen Kameraden das bittere Los zu erleichtern, und er besaß vor allem ein unglaubliches Talent, sich den SS-Blockführern gegenüber durchzusetzen. Dabei dachte er gar nicht daran, ihnen etwa zu schmeicheln, er warf ihnen viel- mehr seine Meinung schonungslos an den Kopf. Er- schien der Blockführer zu einer angeblichen Spind- revision, die doch meist damit endete, daß die Spinde umgestürzt und der Inhalt zum Teil gestohlen wurde, — die SS nannte das allerdings„beschlagnahmt“—, dann fragte er sofort:
„Wieviel Zigaretten brauchen Sie?“
Und ehe der Blockführer sich von seinem Erstau- nen erholt hatte und eine Antwort fand, hatte ihm „Icke“ schon ein paar Packungen in die Hand ge- drückt und damit die Revision verhindert. Niemals sind Portionen so reell verteilt worden als unter ihm,
*) Knoll wurde im ersten Dachauer Kriegsverbrecherprozeß zum Tode verurteilt.
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