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Wo seine Zeugen sterben, ist sein Reich : Briefe der enthaupteten Lübecker Geistlichen und Berichte von Augenzeugen / zsgest. von Josef Schäfer
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herausgekommen war, hoffte er immer noch auf Begnadigung und Entlassung. Darum war die Ent­täuschung auch so groß, das Leid so bitter, als ihm am 10. November 1943, mittags 1 Uhr, ver­kündet wurde, daß das Todesurteil abends um 6 Uhr vollstreckt würde. Ich hatte versucht, weil ich die Zeit des Todes schon früher wußte, ihn mit der Vollstreckung vertraut zu machen. Und das war gut gewesen. Ich ging sofort zu ihm in die Todeszelle. Er saß am Tische mit dem Kopfe in den Händen. Er sah sich um, sah mich und kam mir sofort entgegen. Sein Antlitz war leichen­blaß und seine Arme und Knie zitterten. Es ist nämlich etwas anderes, ob man durch Krankheit geschwächt und entkräftet den Tod als Erlösung herbeisehnt, oder der Tod herannaht zur Vernich­tung eines gesunden Lebens. Es ist etwas anderes, ob man sanft einschläft und unbewußt stirbt, oder ob man das Schwert sieht, das das Haupt vom Rumpfe trennen soll. Im letzten Falle kommen Gedanken, Erwägungen und Vorstellungen, die quälen und foltern, ja bis in die tiefste Tiefe der Seele eindringen. Der böse Feind, der Wider­sacher, nutzt diese Augenblicke aus, um, wie ich den Eindruck gehabt habe, alles aufzubieten, um im letzten Augenblick so eine kostbare Priester­seele zur Verzweiflung zu bringen.

Ist das nicht eine Seelenqual, eine Folter von un­ermeßlichem Ausmaße! Die Folge davon ist, daß jeder, dem die Vollstreckung des Todesurteils ver­kündigt wird, zunächst leichenblaß wird und an­

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