giosität. Nicht umsonst betet der Priester im Opferungsgebet: ,, Gott ! Du hast den Menschen in seiner Würde wunderbar erschaffen und noch wunderbarer erneuert. Laß uns durch das Geheimnis dieses Wassers und Weines teilnehmen an der Gottheit dessen, der sich herabgelassen hat, unsere Menschennatur anzunehmen, dein Sohn Jesus Christus ."
Wie leicht hatten es die totalitären Systeme, den Menschen Freiheit und Würde auszureden! Wie leicht haben sich breite Massen die Freiheit nehmen lassen! Vor die Wahl gestellt: Freiheit oder Brot? wählten sie unbedenklich Brot, und ließen die Freiheit fahren.
Wo wahre Freiheit, da ist innere Selbständigkeit. Auch sie muß man wollen. Erziehung zum Willen und zur Kraft zu selbstverantwortlichem Handeln, zu eigener gewissensmäßiger Entscheidung! Keine Verantwortung abnehmen, wo es nicht unbedingt nötig ist! Der christliche, der kirchliche Mann, die christliche und kirchliche Frau müssen zumal als Väter und Mütter auf eigenen Füßen stehen können und nicht in jedem Augenblick gehalten werden... Hätte man in der kirchlich- religiösen Erziehungsarbeit allenthalben so gehandelt und wäre die Zahl der unmündigen Christen nicht gar so groß gewesen, der nationalsozialistische Massenwahn hätte noch aktiveren Widerstand in kirchlichen Kreisen gefunden. Die von Reeb beklagte religiöse Unreife ist eine Tatsache und das von ihm geschilderte Mißverhältnis zwischen intellektueller und beruflicher Ausbildung einerseits und religiöser Mißbildung anderseits ist leider keine Erfindung.„, Tatsächlich gibt es heute ungezählte erwachsene Christen, die vielleicht in anderen Dingen, im Wissen und Können ihres Berufes, in den Erfahrungen des praktischen Lebens auf allen Gebieten selbständig, reif und mündig sind, nur nicht in ihrem religiösen Leben. Da sind sie auf der Kindheitsstufe stehen geblieben..." ³).
3) Reeb: ,, Christentum ziger& Co., 1940, S. 218.
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Ende oder Wende?" Einsiedeln: Ben
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