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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
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gemäß aus der Tatsache, daß, wie es scheint, gerade ihr nach dieser Weltkatastrophe in allen Ländern eine besondere Verant­wortung bei der Neugestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse zufällt. Dem Zuwachs an Verantwortung und Einfluß muß ein höherer Menschentyp entsprechen, wenn es ein Aufstieg sein soll. Das letzte Wort sei also ein Wort aufrichtigen Bedauerns gegen­über all denen, einerlei welcher Nation, Gesellschaftsschicht und Partei, deren Schicksale, Kämpfe, Leiden und heroische Lei­stungen hier nicht erwähnt sind, weil der Verfasser nicht oder zu wenig von ihnen wußte. Es war nicht Absicht, sie hier schweigend zu übergehen.

Uns aber, denen die Gunst der Umstände, Zufall, Glück, Gottes Fügung zu Hilfe kamen, so daß wir überleben konnten, ist damit ein zweites Leben geschenkt. Sein Sinn kann nur der sein: daß wir Zeugnis ablegen für die Wahrheit dessen, was wir gesehen, daß wir die Erkenntnis weitertragen, die in den Jahren der Qual in uns gereift ist, mit dem ernsten Willen, uns unentwegt einzusetzen für wahre Freiheit, für Men- schenrecht und menschliche Würde, für Huma­nität in den Beziehungen zwischen Mensch zu Mensch, für Ver­ständigung und Frieden zwischen Volk und Volk.

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