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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
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,, Jetzt zur Schneiderei", meinte der überwachende Scharführer.

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, Warum?"- ,, Ihr bekommt den Lagerstreifen als Kennzei­chen. Befehl." So, also zur Schneiderei. Und in Rock und Hose der fast nagelneuen Zivilanzüge schnitt man häßliche Löcher, die mit Zebrastreifen übernäht wurden. Alte Handkoffer, Gott weiß, wem die einmal gehört haben, standen zur Verfügung.

Um 6 Uhr warteten wir am Lagerbahnhof auf den Lastwagen. Schade, meine Lagernotizen und den langjährigen Briefwechsel mit den Kindern hatte ich zurückgelassen, in anderen Händen, da man nicht wissen konnte, ob- Und nun wäre alles so gut ge­gangen. Vorbei.

In meine Ueberlegungen heulen die Sirenen. Tiefflieger im An­griff. Amerikanische Jäger beschießen mit Bordwaffen, als ob sie gewußt hätten. Die bereitgestellten Wagen gehen in Stücke. Zurück ins Lager. Alles in die Sonderbaracke, nicht mehr auf den Block. Die Sonderbaracke, das Bordell, war schon seit Wochen geräumt und leer.

Als wir ankamen, hatten es sich Freunde und Bekannte schon bequem gemacht, die vom Bunker, vom Zellenbau: Bischof Piguet von Clermont, Domkapitular Neuhäuser von München , Pastor Niemöller und einige, die wir später kennenlernten. Der Bischof hatte bereits den Tagesraum der ehemaligen Bewohner von bösen Geistern befreit, den Raum ausgesegnet und zum Gebetsraum umgewandelt. Froh, uns in solcher Gesellschaft zu wissen, schlie­fen wir auf den improvisierten Strohsäcken ruhig ein.

Und nun erwähnt mein Notizbuch über den weiteren Ablauf:

24. April

Von einem alten SS- Scharführer nicht gerade aufdringlich be­wacht. Der Tag verläuft. Gegen 5 Uhr nachmittags werden wir durch die Lagerstraße zum Tor geführt. Die Kameraden bilden Spalier. Man winkt, ruft und grüßt zum Abschied. Freunde schüt­teln sich die Hand, Geistliche werfen sich ihrem Bischof in die

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