,, nichts mehr daran taten". Dillard war der gute Kamerad aller, neben und unter ihnen.
Zu dieser Haltung war er durch den Einblik in die sozialen Verhältnisse und Bedingungen gekommen. Nicht etwa so, daß sich die übersinnliche Bedeutung der Erlösungsreligion des Christentums in ihm in eine sozialradikale Reformbewegung hinein verlor, o nein! Aber er sah und fühlte, was derjenige, der die Seele des heutigen Industriemenschen erfassen und bereichern will, über das unmittelbar Religiöse hinaus wissen müßte, um den richtigen Atem und die Sprache zu ihm zu finden. Dillards Beobachtungen und Vorschläge beziehen sich zwar nur auf den französischen Arbeiter, aber sie sind so, daß jeder Seelsorger, wes Landes er immer sei, daraus lernen kann.
Nicht minder aufschlußreich sind seine Schilderungen über die Denkweise und Gefühlswelt des Industriearbeiters. Erstaunlich, wie dieser Mann der Wissenschaft intuitiv spürt, wie der Werkstoff und der Arbeitsvollzug den Arbeiter mitformen, wie selbst die Maschine für ihn ein Lebendiges ist, wie der Mann mit ihr verwächst und zusammen lebt. Und nur eine ganz große Liebe zum Arbeitsmenschen konnte Dillard erkennen lassen, daß es Arbeiter gibt, außerhalb der Arbeit vielleicht Tölpel, Trinker und Gott weiß was, in der Arbeit selbst aber wahre Künstler der Feinheit und der sicheren Hand. ,, Alle diese verdienten hohen Respekt. Aber niemand weiß von ihnen; nur diejenigen, die sie arbeiten sehen. Sie bleiben die Uebersehenen, die Sozialverkannten, Leute, denen man mitunter jedweden menschlichen Wert abspricht. Andere gehen mit sauberen Händen und reinem Hemdkragen daher und lassen sich mit lieber Meister' anreden. Sie aber bleiben Arbeiter, unbekannt selbst ihrer Frau, ihren Kindern und ihren Freunden, denn sie sind ja nur Vollendete im Werkstoff. Als ob diese ihre Arbeit nicht einen Adel in sich selber trägt!" ( a. a. O. S. 44).
Dillards Bemühungen um die geistig- sittliche Hebung des französischen Arbeiters in dem ihm fremden deutschen Lebensraum
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