Als Priester fühlte er sich in diesem Lager der Schmerzen ganz
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und gar am Platze. Hier", meinte er ,,, können wir Priester viel, viel mehr geistliches Brot brechen als draußen im Leben." In allem blieb er der priesterliche Mensch: im Beten, im Sprechen wie im Schweigen. Durch die Hilfe von Freunden erhält er endlich, im Dezember 1942, ein Bett im Revier. Zu spät! Sein Körper ist zermürbt, in der Ruhe bricht die Krankheit aus: Gelbsucht . Danach ein seltsam ansteigendes Fieber, das die letzten Kräfte aufzehrt. Ganz klar ,,, in geistiger Hochkonjunktur", wie er selbst sagt, verfaßt er am 18. Dezember sein geistiges Testament ein wunderbares Dokument, ein selten schönes Zeugnis eines begnadeten Priesters, eines edlen Patrioten, eines erleuchteten wissenschaftlichen Lehrers. Wenn er hie und da aus der totalen Gottergebenheit zum Wunsch der Genesung aufwachte, so mehr denen zuliebe, die sich seiner rührend angenommen: Kühr und Heini, der sozialistische Pfleger, den sein Tod aufs tiefste ergreifen sollte. Am 28. Dezember 1942 hat Pater Régout seine herrliche Seele in Gottes Hand gelegt. ( Näheres über ihn berichtet sein holländischer Leidensgefährte von Dachau , P. van Gestel in den ,, Sint Jans Klokken", Nr. 1170).
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In P. Victor Dillard hat die Gestapo einen Mann von höchZukunft und ster Originalität, einen Sozial- Psychologen von einen Priester neuzeitlichen Stils vernichtet. In völlig erschöpftem Zustand kam er Ende November 1944 in Dachau an. Es war gelungen, ihn im Revier bei Heini unterzubringen. Als wir ihn begrüßten, konnte er nur mühsam und kaum vernehmbar antworten. Suire, der französische Arzt, tat das menschenmögliche, um ihn zu retten; zu spät. Der gute Dillard starb, von Freunden umgeben, im Januar 1945. Pierre Suire, französischer Häftlingsarzt, zeichnet in seinen Erinnerungen an Dachau ,, il fut un temps" ein lebensvolles Portrait des P. Dillard und gibt erschütternde Einzelheiten seiner letzten Lebenstage wieder.
Wer er war und welcher Art seine Lebensarbeit war, erfuhren wir erst nach seinem Tod. Damals wußten wir nur, daß er nach
9 Joos, Leben
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