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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
Entstehung
Seite
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Ist den polnischen Geistlichen diese Kraft nicht gerade aus dem zehnfachen Leid erwachsen, das jahrelang auf ihnen lag? Und hat sich jene erschütterndePassionswoche 1942, die die SS des Lagers Dachau , vom Dämon getrieben, den pol- nischen Priestern zugedacht, nicht nachträglich als Quelle höchster Kraft erwiesen! In der Karwoche des Jahres 1942 mußten sie zu Hunderten jeden Tag auf dem Appellplatz antreten, in Holz- schuhen, mit wunden Füßen und ohne Speise und Trank, von SS und einem willfährigen Häftlingspersonal verspottet und ver- höhnt, stundenlang marschieren und singen. Dutzende brachen jeden Tag zusammen. Es gab keine Gnade. Hunderte haben den Todeskeim empfangen. Diese Leidenswoche der polnischen Geist- lichen hat selbst aufAbgebrühte einen gewissen Eindruck ge- macht. Wie erst mußte sie jene erhöhen, die sie durchlitten haben!

Schade, daß sich dieser Geist eines heroischen Katakomben- Christentums nicht allgemeiner dokumentieren konnte, um jene unruhvolle und sich immer wieder im Bewußtsein vordrängende Frage zurückzuwerfen:Wann und wie kommen wir nach Hause? Wo diese Frage die Gemüter beherrschte, war für Seel- sorgsfragen wenig Stimmung. Um so mehr für das Auf und Ab an den Fronten der Kriegsschauplätze, was wiederum zurück- führte zur Frage:Wann kommen wir heim? Ueber diese be- greifliche Sorge waren jene 20 Geistlichen definitiv hinweg, die sich in den ersten Monaten 1945, als das Fleckfieber unter den Dachauer Häftlingen die furchtbarsten Lücken riß und niemand mehr sich der sichtbaren und sichern Ansteckung auszusetzen wagte, freiwillig zur Wartung(eine eigentliche Pflege gab es nicht) meldeten. Ehre ihnen! Die meisten haben mit dem Leben

bezahlt.

Drei Namen

Wir glauben, in Kreisen der Priester des Dachauer Lagers kei-

nem Widerspruch zu begegnen, wenn wir hi

er in besonderer

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