Erlösung der Massen von Elend und Leid, seine Leugnung in der irrigen Vorstellung, einzig dadurch ein leidloses irdisches Reich verwirklichen zu können. Die Verbindung eines derartigen Atheismus mit dem wissenschaftlichen Marxismus hat sein Wesen noch weiter rationalisiert, ideell entleert und in einen Kampf um gesellschaftliche Macht und zivilisatorischen Fortschritt ausarten lassen. Wer mächtig und in guten materiellen Verhältnissen ist, der brauche keinen Gott. Die neue Gottheit heißt dann: Wissenschaft oder Technik, Maschine und politische Macht als Mittel zur Erlösung in einer neuen gesellschaftlichen Ordnung.
Einer derartigen geistigen Haltung als Massenerscheinung und Massenbewegung gegenüber erscheint die heutige Kirche als Trägerin des christlichen Gottesgedankens und der darauf beruhenden Lebensordnung wie eine Welt für sich. In sich geschlossen, in einem wunderbaren hierarchischen Aufbau, eine Stadt Gottes, umgeben von Mauern, Türmen und Wallgräben, deren Torbrücken um sie herum ein an Breite hochgezogen sind. Die feste Stadt
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und Tiefe zunehmender Strom von Massen, an ihr vorbeiflutend. Ein wahrhaft alarmierender Zustand! Ein soziales Unglück! Und eine nicht zu überhörende Mahnung!
Nach
soll zeitweise Angaben eines Dachauer Häftlings ¹) öffentlicher Gottesdienst im Lager gehalten worden sein. Die Kirche selbst aber habe bald darauf verzichtet. Grund: wenn der Pfarrer von Dachau sonntags ins Lager kam, den Gottesdienst abzuhalten, wurde er bereits am Tor mit Schallplattenmusik begrüßt: ,, Du schwarzer Zigeuner..." Während der Messe gingen die aufsichtführenden SS - Leute schwersten Schrittes, Zigarren rauchend und hie und da Hiebe austeilend, einher; besonders während der Wandlung wußten sie stets zu stören. Die Gottesdienstteilnehmer wurden sämtlich aufgeschrieben und mußten den ganzen übrigen Sonntag entweder die Kaserne schrubben oder in der Kies
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