mochte, war inzwischen zum Reviercapo avanciert. Von da mußte er wider Willen die SS- Uniform anziehen und mit zur ,, Bandenbekämpfung" an die Balkanfront. Dort ist er gefallen.
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Eine widerliche Szene, in der sich die menschliche Unzulänglichkeit und Hilflosigkeit eines Pflegers so recht widerspiegelt, steht in meiner Erinnerung. Es ging gegen Abend, die Stunde, in der Kranke leicht ängstlich und rätselhaft unruhig werden. Ein Nervenkranker sollte anderntags entlassen werden. Nun redete der Pfleger auf ihn ein: ,, So, das schenk ich Dir, weil ich Dich gesund gemacht habe.", Wie, Herr Pfleger?" ,, Weil ich ,, Dankeschön, Herr Pfleger; aber
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Dich gesund gemacht habe."
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ich möchte jetzt gleich zum Block gehen."- ,, Du gehst morgen, hab ich Dir schon einmal gesagt." ,, Dankeschön, Herr Pfleger, aber ich möchte..."- ,, Halt's Maul, Du bleibst hier." ,, Aber, ich möchte..." Klatsch, klatsch, klatsch fielen die Schläge auf den ganz verwirrten Kranken den der Herr Pfleger ,, eben gesund gemacht."
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Ein einziger, wirklicher Arzt war unter den Häftlingspflegern vor 1943, der polnische Kräuterdoktor F., und ihm hatte man bloẞ eine Stube anvertraut, nicht die Station. Er war ein Arzt im Vollsinne, nicht bloß Mediziner, ein Helfer in vieler Not. Seine Praxis ging weit übers Revier hinaus, und sein Vorteil war, daß er weniger mit Chemikalien arbeitete und mehr mit Diät und Heilkräutern. Die Medikamente waren rar. Ein zweiter polnischer Häftlingsarzt Ali, der tüchtige und gewissenhafte Chirurg, kam 1943 in den Operationssaal,
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Was nützte es also, wenn jetzt, in der zweiten Hälfte 1944, Häftlinge, die beruflich Arzt waren, zu Hilfe gerufen wurden? Sie konnten nur verzweifelt die Hände ringen. Arzt sein vor hilfsbedürftigen Kranken, wissen, was zu geschehen hat, und doch nicht helfen können? Die französischen Aerzte haben diese Qual ausgekostet. Sie waren zuletzt ihrer 40 im Dienst. 14 davon starben. Günstiger lagen die Bedingungen für Roche, den Okulisten,
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