KZ- Häftling eine sehr verwickelte und in der Regel auch völlig aussichtslose Sache. Der Häftling hatte zunächst einzukommen, ,, einen Rapportbrief schreiben zu dürfen". Und wenn er zufällig im Revier lag, mußte die Bitte über einen langen Instanzenweg gehen 4).
Damit war C. unter den obwaltenden Umständen sozusagen zum Tode verurteilt und wir reichten uns in den Nachmittagsstunden des 23. April 1945 ahnungsschwer die Hand zum Abschied. Die Frage war, ob er solange durchhalten konnte, bis die Amerikaner kamen. Das gelang. Mit den amerikanischen Panzern kam die Hilfe. Sie stellten sofort einen Wagen bereit und verbrachten ihn in ein Lazarett. Das war seine Rettung.
Daß damals die Geistlichen samt und sonders auch aus der Krankenpflege verdrängt wurden, war im Hinblick auf die trostlose Lage der Dinge im Revier gewiß schmerzlich. Schmerzlich auch der Verlust so mancher mühsam eroberter Position in Büros und Kommandos, wo ein Priester in jedem Augenblick bedrängten Kameraden hilfreiche Hand bieten konnte. Im ,, Arbeitseinsatz" zum Beispiel war die geschickt verdeckte Hilfsarbeit, die der überschäumende Lothringer Goldschmitt dort neben seinem Landsmann Philipp monatelang verrichtete, in der Tat Gold wert. Anderseits war aber auch das, was Hans C. mit seinen Alarmrufen aus der Welt hinter Stacheldraht anstrebte, bei der weitverbreiteten Ahnungslosigkeit der deutschen öffentlichen Meinung in Sachen KZ in sich richtig und hoch zu bewerten. Schließlich konnte die Lagerführung ihre Sperrmaßnahmen auch nicht bis zum Ende festhalten. Als das Fleckfieber kam, blieb ihr nichts anderes übrig, als die notwendigen, freiwilligen Pflegerkräfte aus den Reihen derer anzunehmen, die man geächtet hatte. Sie waren auch fast die einzigen, die sich anboten.
Der Stationspfleger vom Revier 7, der die„ Pfaffen" nicht
4) Vergleiche Wiedergabe des abgelehnten Gesuchs des Geistlichen H. C. im Anhang. Der Bleistiftvermerk des Chefarztes Hintermeier lautet kurz und bündig: ,, Behandlung im H. K. B." ( Häftlings- Kranken- Bau).
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