Heinis Faktotum, im Lager ,, Hausel" genannt, der Jupp, den mußten sie allerdings mit in Kauf nehmen, weil Heini nicht mehr von ihm loskam. Jupp war ein verwegener Bursche aus der Aachener Gegend und wegen Schmuggelns im Großen bestraft und nach Dachau gebracht. Hier arbeitete er sich ganz selbstverständlich voran und ins Revier hinein. Mit der Instinktsicherheit der kriminellen Natur fühlte er jeweils, wo etwas zu holen war, zunächst auf normalem Weg; den Rest stahl er irgendwo. Er war gutmütig und gefährlich in einem, zuverlässig und plötzlich unvermittelt höchst unzuverlässig. Von seinen Schmuggeltaten erzählte er gerne im Tone der Selbstbewunderung. Studierte und kultivierte Leute gingen ihm auf die Nerven, und er gab es ihnen unverhohlen zu fühlen.
Es ging auf Weihnachten zu, und obschon das Singen von Weihnachtsliedern verboten war, bereitete Heini doch den Heiligen Abend vor mit Weihnachtsbaum, Transparenten und nützlichen Geschenken für die, die weder Geld noch Kantine hatten. Die Geschichte mit der Invalidenliste lag ihm dumpf im Gemüte. Wenn man nur etwas tun könnte! Der junge Münchener mit der hoffnungslosen Stirnhöhlenvereiterung war auch darauf. Er war zwar ein Krimineller und in eine böse Einbruchsaffäre verwickelt, aber er hatte sich total geändert und wollte dahin zurück, wo er nie hätte weggehen sollen: zu einer Gemeinschaft Barmherziger Brüder. In liebevoller Hingabe hatte er die Scherenschnitte für die Transparente gefertigt, Szenen aus der Heiligen Nacht . Heini wünschte es. War dieser Heini gläubig? Religiös? Was er vom Leben gesehen, hatte ihn Toleranz gelehrt, mehr als das: Ehrfurcht vor der Ueberzeugung anderer. Schneidend scharf verwies
immer sorgfältig. Henny arbeitete, er hatte medizinische Bücher.. Alle Beobachtungen trug er ein.. Wie eine Mutter beugte er sich an diesem Ort, wo fast alles Roheit und Menschenverachtung war, über das Antlitz der Sterbenden... Henny, man kann Sie nicht vergessen!.. Würde Ihre geistige Einstellung vorherrschen, die deutsche Frage wäre leicht gelöst."( Pierre Suire ,, il fut un temps", F. Soulisse- Martin, Niort, p. 151/152).
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