Können, Gewissenhaftigkeit und persönlicher Anteilnahme. Indes war es ein Kommen und Gehen, ein Gerufen- und ein Abberufen. werden unter den SS - Aerzten, so daß kaum einer mit dem Krankenbau verwachsen konnte. Ein von Pflegern wie von Kranken wohl geschätzter SS- Chefarzt, Wolter, fiel schon 1942 Intrigen zum Opfer und wurde ins Lager Utrecht abgeschoben. Er war der einzige, der es wagte, den Wüterichen von der Lagerführung den Zugang zum Revier zu verweigern. Da habe er zu bestimmen und er dulde nicht, daß die SS der Lagerführung und die Gestapo durch fortgesetzte Schnüffeleien und Untersuchungen seine Kranken beunruhigten. Darum mochte ihn die Lagerführung nicht und sorgte für das weitere. Seine Nachfolger bogen den Rücken, wie es gewünscht war.
Und die Pfleger? Sie waren teils im Sanitätsdienst bereits etwas erfahrene Häftlinge, teils aber auch als Schüler angelernt. Pfleger sein, bot gewisse Erleichterungen, Vorteile und Annehmlichkeiten. Der Pfleger hatte eine gewisse Selbständigkeit, erhielt Zusatznahrung, war besser untergebracht als auf dem Block und von der Teilnahme am Appell befreit. So drängten sich auch wohl minderwertige Charaktere, kriminelle sogar, in Pflegerstellen, harte, gefühllose, gefährliche Gestalten, die mehr daran dachten, sich selbst zu pflegen. Daneben gab es pflegerische Naturen von hoher Qualität, ehemalige Handwerker und Verwaltungsleute, die es in Eifer, Hingabe und sachlichem Interesse zu einer Praxis in der Krankenbehandlung brachten, die Bewunderung erregen konnte.
Alle Häftlingspfleger unterstanden dem sogenannten Reviercapo. Damals der gefürchtete Heiden, ein baumstarker Rohling, der die ihm unterstellten Pfleger ebenso erbarmungslos schlug wie die Kranken. Er war ein unbeherrschter, hemmungsloser Mensch, von Launen hin und her gezerrt. Er schrie und tobte mitunter wie ein Besessener. Und er war der Herrscher über Leben und Tod. Ihm war es gegeben, Kranke anzunehmen, oder sie mit einem Fuẞtritt hinauszuwerfen. Zitternd und zagend nahten sich
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