ledigt. Alle, ob tot oder nur schwer verletzt, wurden auf einen Haufen geworfen, bis alle 97 exekutiert waren. Der Augenzeuge glaubt, daß 30 bis 40 nicht tot waren. Sie wurden so in den Ofen geworfen.( Amicale des Anciens de Dachau, Bulletin no. 3, oct./nov. 1945).
Das heutige Rußland, eine Ueberraschung. Das Leben ist meist farbenreicher, als die stehenden Klischees erraten lassen. Und es gibt viel mehr Möglichkeiten, im und mit dem Leben fertig zu werden wenigstens auf absehbare Zeit -, als wir anzuneh
men geneigt sind.
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Je weiter die Zahl der Nationen im Lager zu Dachau um so bunter wurde das Bild.
Das wahre Frankreich kam verhältnismäßig spät nach Dachau . Dann aber in seiner besten Repräsentation: in der Ré- sistance. Arbeiter, Handwerker, Bauersleute und Geschäftsleute, Journalisten, Advokaten und Aerzte, Präfekten und Bürgermeister, Adelige, Geistliche, Professoren, Generäle, darunter der Armeegeneral mit dem baskischen Namen und der im letzten Augenblick noch exekutierte Schöpfer der französischen Geheimarmee, General Delestraint , Viel, viel junge Franzosen, die die Gestapo vor dem Maquis ,, bewahren" wollte.
Die Mentalität des französischen Volkes ist von Natur aus der Stillosigkeit und der Sklaverei eines Konzentrationslagers wohl am allerschärfsten entgegengesetzt. Der Zug zur Freiheit( nous sommes de race des hommes de liberté Peguy), der im fran zösischen Denken tief verankerte Respekt vor der menschlichen Persönlichkeit und der Würde des Menschen, in Verbindung mit einer angeborenen Respektlosigkeit vor Verbotstafeln und einem militarisierten zivilen Massendasein diese wesensmäßigen Eigenschaften des französischen Volkes standen in schreiendem Widerspruch zu den Lebensbedingungen eines KZ. Diese Bedingungen mußten gerade die französischen Gefangenen in ihrem Innersten treffen, ihren Widerwillen aufpeitschen und ihre Qual steigern. Die einzige Nation, in der ein ausgesprochener Wider
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