in botanischen Lehrbüchern. Kaum einer hätte den bescheidenen, fast scheuen jungen Klerikern solches Talent zugetraut. Die wenigsten wußten überhaupt davon.
Um so mehr von dem Major und Generalstäbler K., der auch in der Plantage draußen und auch in einem stillen Winkel seine Fäden zog. Weitsichtig, klug, Mann der Gesellschaft und mit diplomatischen Künsten vertraut, ließ er sein Organisationstalent bewußt zugunsten seiner Landsleute spielen. Aber nicht nur für sie. Sollte einer den mißtrauischen Augen der SS entzogen werden, mußte einer verschwinden, einerlei aus welcher Nation, mit dem Major konnte man darüber reden.
Sein Freund, der Jurist und Journalist Georges Swida, Pole wie er, aber lange im Ausland gewesen und mit dem Gesicht nach Westen, hatte es etwas schwieriger, verstanden zu werden. Seine journalistischen Sporen hatte er in Frankreich verdient, wo seine großen Reportagen über Mädchenhandel und Rauschgifte in der ,, Dépêche de Toulouse" Aufsehen erregten bis in den Völkerbund hinein. Von Frankreich zu seiner alten Mutter zurückgekehrt, erlebte er die Zerstörung Warschaus durch die deutschen Truppen und wurde bei einer Razzia in einem Kaffee kurzerhand mit allen anwesenden Männern mitgenommen. ,, Die teuerste Tasse Kaffee, die ich je getrunken" pflegte er zu scherzen. Sie kostete ihn 5 Jahre seines Lebens. Seinen Landsleuten und den Russen hat er treue und wenig gekannte Dienste geleistet, indem er als Dolmetscher den vor dem SS- Vernehmungsführer bedrohten Häftlingen jeweils das suggerierte, was ihnen helfen und sie schützen konnte.
Aufs genaueste orientiert über den jeweiligen Stand der Zänkereien unter den SS - Leuten des Lagers war dieser polnische Journalist neben seinem Landsmann, dem ,, Hausel" in der politischen Abteilung, der einzige, der es wagen konnte, dem Kriminalsekretär offen zu bekennen: ,, Wie können Sie anderes von uns erwarten, als Abneigung und Haß, der Sie unser Land verwüstet und unser Volk fast zu Tode gequält haben." Er war der einzige, der in die
6 Joos, Leben
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