und viele von ihnen hatten Furchtbares hinter sich. Planmäßig entfalteten sie ihren Einfluß, und die Kenntnis der Sprache ermöglichte ihnen Positionen, die wieder für die Unterbringung von Landsleuten ausgenutzt wurden.
So war der eine Arzt, Dr. Blaha, der in der Totenkammer er hat in der Zeit an Jahre hindurch die Autopsien vornahm
8000 Leichen geöffnet ein kapitaler Gewinn für alle. Daß es ihm, dem bewußten und geschworenen Feind des SS- Systems, gelungen war, jahrelang einen Beobachtungsposten zu behaupten, gefährlich zwar, aber so geartet, daß er sehen konnte, was SS mit Nacht und Grauen zu bedecken bemüht war, ist schier unvorstellbar. Nur darum konnte er der Zeuge par excellence im Nürnberger Prozeß über Dachau werden. Er hat wirklich gesehen und gewußt. Seine Aufzeichnungen mußte er verbrennen; sein Gedächtnis blieb erhalten. Wie oft saßen wir in Abendstunden bei spärlich flackerndem Kerzenlicht in seiner unheimlichen Werkstatt, oder wanderten mit ihm den stockdunklen Weg zwischen den Revierbaracken, um den neuesten Londoner Tagesbericht über die Kriegslage zu hören. Wir haben ihn nie gefragt, woher er es hatte. Er wußte aber. Und wie oft mußten wir seine diagnostische Kapazität in Anspruch nehmen, damit er einem kranken Kameraden, der nicht ins Revier aufgenommen war oder nicht aufgenommen werden wollte, einen sachdienlichen Rat erteilte. Er hat nie versagt. Rührend betreute er den altersgeschwächten Politiker seines Landes, den man unter der Hand im benachbarten Revierblock untergebracht hatte. Nach der Befreiung des Lagers durch die Amerikaner( am 29. April 1945) haben diese ihm die Aufsicht über die gesamten Sanitätseinrichtungen dort übertragen.
Die Tschechen hielten bewundernswert zusammen.
Die Polen, welch ein beklagenswertes Volk, die Polen in den Konzentrationslagern! Alle in den arbeitenden Massen dieses fruchtbaren Volkes angestauten körperlichen Kraftreserven hat man systematisch herausgepreßt. Und bei ihrer Bildungsschicht
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